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«Aus Überzeugung liberal.»

Aus der «Schande von Basel» nichts gelernt

Die «Schande von Basel» ist allen noch in guter Erinnerung. Damals hat man die Ausschreitungen als negativen Höhepunkt der Gewalt im Schweizer Fussball betrachtet. Der FC Basel wurde mit zwei Geisterspielen bestraft. Doch eine Entwicklung zum Besseren hat sich in den vergangenen fünf Jahren nicht gezeigt. Im Gegenteil: Wie die Vorfälle im Zürcher Derby und von vergangenem Donnerstag in Rom zeigen, hat sich die Lage gar noch verschlimmert! Die Schweiz hat ein Hooligan-Problem, wie konnte es so weit kommen?

Sieht so eine positive Fankultur aus? Pyros im Stadio Olimpico in Rom vom 3. November 2011 (Bild: Keystone)

Die Ultras nehmen für sich  in Anspruch für gute Stimmung zu sorgen im Stadion. Mit aufwändigen Choreos, kreativen Gesängen und Fanprojekten neben dem Platz schaffen sie viel Goodwill. Dann gibt es aber noch die andere, unschöne Seite dieser Fankultur. Schon bei einem meiner ersten Matchbesuche auf der Allmend – ich war noch ein Bub – musste ich damit Bekanntschaft machen. Es war ein Spiel gegen Basel, der FC Luzern hatte den Gegner auf dem Platz vorgeführt, auf den Rängen spielten sich wüste Szenen ab: Petarden flogen, Banner brannten. Wir waren froh, heil aus dem Stadion gekommen zu sein. Vom Fussball spricht keiner mehr!

Clubs lassen sich erpressen

In der Angst man könnte die tolle Stimmung vermiesen und damit das Fussballerlebnis für die übrigen Matchbesucher schmälern, lassen sich viele Funktionäre erpressen. Forderungen nach Stehplätzen wird bereitwillig nachgekommen, Massnahmen wie Fahnen- und Alkoholverbote werden auf Druck der «Fanszene» nicht weitergedacht. Die Clubverantwortlichen nehmen ihre Verantwortung längst nicht mehr wahr – wo dies hingeführt hat, sollte einem die Augen öffnen. Die ausufernde Fankultur schadet dem Fussball längst mehr, als dass sie ihm nützt. Ein Böllerwurf aus dem eigenen Fanblock in der Barrage 2009 hätte den FC Luzern die Super League kosten können! Es ist der Nachsicht der Liga zu verdanken, dass es nicht soweit gekommen ist.

Verband nimmt zu wenig Einfluss

Verband und Liga hätten es in der Hand die Vereine stärker in die Verantwortung zu nehmen. Geisterspiele und Punktabzüge schmerzen und wären ein starker Anreiz sich vermehrt für eine positive Fankultur einzusetzen. Solche Massnahmen sind allerdings unpopulär, da sie eine ganze Meisterschaft beeinflussen können. Stattdessen werden nur noch Geldbussen ausgesprochen. Die schmerzen zwar auch, doch die Wirkung ist beschränkt. Für bequeme Lösungen ist es längst zu spät. Vielleicht müsste man jetzt strenge Verdikte aussprechen und einmal eine etwas chaotische Saison in Kauf nehmen, damit in Zukunft wieder Ruhe einkehren kann.

Politik schiebt Verantwortung auf die Clubs

Der Handlungsspielraum der Politik ist zugegebenermassen gering. Doch anstatt die Verantwortung nur den Clubs zu überlassen, sollte auch die Politik sich ihrer Aufgaben bewusst werden. Der Staat hat das Gewaltmonopol, deshalb ist es äusserst fragwürdig, dass die Vereine alleine für die Sicherheit im Stadion zuständig sind. Insbesondere in Stadien, die der öffentlichen Hand gehören. Zusätzlich sollen die Vereine auch noch für die Kosten ausserhalb des Stadions gerade stehen. Dabei haben sie gar keinen Einfluss darauf, wer sich alles auf den Weg zum Stadion macht.

Jahrelang hat man Hooliganismus mit England und Holland in Verbindung gebracht. Die betroffenen Länder haben gehandelt und sollten heute als Vorbild dienen, wie man das Problem lösen könnte. In den Niederlanden kann man nur mit Kombitickets an Auswärtsspiele reisen. Verstösse gegen Pyroverbote, etc. werden in England mit saftigen Bussen und Anzeigen geahndet. Die Durchsetzbarkeit hängt allerdings von der Bereitschaft aller Beteiligten ab ihre Verantwortung zu übernehmen. England hat heute eine der meist gelobten Fankulturen Europas, ohne Stehplätze und Pyros, versteht sich.

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One Response to “Aus der «Schande von Basel» nichts gelernt”

  • mario sagt:

    Es ist eben einfacher, Auto zu fahren und ein Fussballfan (mit Pyros…) zu sein oder selber Fussball zu spielen, als Krebs zu heilen oder Mathematik weiter zu entwickeln.

    Schon schade, dass ich in einer barbarischen Fussball-Gesellschaft voller Deppen mit einem IQ unter 200 leben muss…


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